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insieme Schweiz wurde unter dem Namen Schweizerische Vereinigung der Elternvereine für geistig Behinderte (SVEGB) 1960 gegründet. Sie unterstützt als Dachorganisation die Aktivitäten von 54 kantonalen und regionalen Elternvereinen und vertritt deren Interessen gegenüber Behörden, anderen Dachverbänden und der Öffentlichkeit.

Die Gründungsversammlung des Bündner Vereins zur Förderung geistig Behinderter (BVFGB), heute insieme Graubünden, fand am 21. Juni 1975 im Bahnhofbuffet in Chur statt. 73 Anwesende stimmten der Gründung zu. Damit hatten sich die Eltern geistig behinderter Töchter und Söhne auch in unserer Region eine gemeinsame Stimme geschaffen.

In den ersten Jahren beschäftigte sich der Verein u.a. mit folgenden Aufgaben:
*Freizeitgestaltung
*Kant. Sonderschulgesetz
*Koordination verschiedener Organisationen
*Regionale Versammlungen
*Mitteilungsblatt etc.

In Art. 2 der Statuten wird der Vereinszweck wie folgt umschrieben:
*die Wahrung der Interessen geistig Behinderter, deren Förderung und Integration
*die Vermittlung von Beratung an Eltern und Angehörige geistig Behinderter

Da Menschen mit einer geistigen Behinderung ihre Interessen oft nicht selbst vertreten können, sind sie auf die Unterstützung Angehöriger oder Freunde angewiesen. Gegenüber den Behörden und der Gesellschaft bilden die geistig Behinderten eine Minderheit. Sie zu vertreten heisst also auch für eine Minderheit einstehen. Menschen mit geistiger Behinderung sind in ihrer Entwicklung oft zurückgeblieben. Dafür hält ihre Entwicklungsmöglichkeit u.U. länger an. Noch im Erwachsenenalter besitzen auch sie die Fähigkeit, neue Fertigkeiten und neues Wissen zu erwerben. Dies erfordert in geistiger und manueller Hinsicht eine stetige, beharrliche und geduldige Förderung. An erster Stelle steht allerdings ein möglichst flexibles Unterstützungsnetz, das so viel Selbstbestimmung wie möglich und soviel Hilfe wie nötig anzubieten vermag.

Wichtig erscheint uns die soziale Integration behinderter Menschen in der Gesellschaft. Diese kann nur mit Hilfe der Öffentlichkeit erreicht werden. Integration ist heute aber zu einem Schlagwort geworden. Für uns bedeutet Integration ein stetiger Prozess. Dabei ist von allen Seiten Achtung, Toleranz und viel Verständnis gefragt. Vom Prozess der Integration darf niemand ausgeschlossen werden. Für jede einzelne Person, ob behindert oder nicht behindert, kann Integration ein sehr individueller Anspruch sein. Damit Kinder, Frauen und Männer mit geistiger Behinderung nicht unter uns leben sondern mit uns, ist vor allem wichtig, dass sie die Selbständigkeit bekommen, die sie sich wünschen.

Eltern und Angehörige geistig Behinderter sind oftmals einer unerträglichen psychischen und physischen Belastung ausgesetzt. Dazu kommt die drohende Isolation durch die Überbeanspruchung bei der Pflege und Betreuung. Unverstand und Rücksichtslosigkeit in unserer modernen und hektischen Welt können solche Menschen an die Grenzen ihrer Fähigkeiten bringen.
Da wir vereinsintern keine Beratungsstelle für Eltern von Kindern mit geistiger Behinderung unterhalten (zukünftig wäre eine solche durchaus denkbar) beschränken wir uns auf die Vermittlung von Beratungsstellen, Ärzten, Psychologen etc. Da in diesem Bereich andere Institutionen tätig sind, suchen wir den Kontakt zu diesen aufrecht zu erhalten. Hingegen kann die persönliche Erfahrung unserer Mitglieder in vielen Bereichen des täglichen Lebens Hilfe und Unterstützung für Ratsuchende bieten. Deshalb gehört die Förderung des Kontakts unter den Vereinsmitgliedern ebenfalls zu den Aufgaben von insieme Graubünden.

Menschen mit einer geistigen Behinderung haben genauso Freizeit und Ferien wie wir. Seit Januar 1985 betreibt der Verein insieme Graubünden an der Austrasse in Chur einen Freizeitclub, wo sich Interessierte jeweils am Mittwochabend und Samstagnachmittag treffen können. Unter fachkundiger Leitung werden die Behinderten in lockerer Atmosphäre zu sinnvoller Freizeitgestaltung angeregt.
In einzelnen Regionen fehlen noch immer integrierte Möglichkeiten für Ferien und Freizeit. Sie müssen ausgebaut werden.

1990 wurden erstmals zweiwöchige Sommerkurswochen durchgeführt. Rund zwanzig geistig und körperlich behinderten Leuten sollte damit Gelegenheit geboten werden, während dieser Zeit die gewohnte Umgebung zu verlassen, um neue Eindrücke und Erlebnisse zu erlangen. Nach diesem ersten Lager folgten weitere. Heute kann insieme Graubünden jedes Jahr drei je zweiwöchige Sommerkurswochen anbieten.

Im Dezember nehmen jeweils ca. 80 bis 100 Erwachsene mit geistiger Behinderung an den drei traditionellen Adventswochenenden in Parpan und Tschappina teil - ein Höhepunkt des Jahres.

Zusammen mit der Vereinigung Cerebral Graubünden betreibt insieme Graubünden einen Entlastungsdienst für Familien mit behinderten Angehörigen.

Mit regelmässigen Bildungsveranstaltungen, Vorträgen und Tagungen für Eltern und Fachleute sollen die Mitglieder unterstützt werden.
Einen festen Bestandteil im Tätigkeitsprogramm von insieme Graubünden bilden deshalb die Informationstagungen. Bei dieser Gelegenheit soll den Betroffenen und ihren Angehörigen sowie der Öffentlichkeit unter Beizug von Fachleuten hilfreiche Information angeboten werden. Themen wie "Bevormundung geistig Behinderter", "Bezug von IV-Leistungen", "Schulung und Beschäftigung geistig Behinderter" etc. können manchen Eltern Entscheidungshilfen bieten. Probleme im Zusammenhang des "Alterns" geistig Behinderter, der "Eingliederung", der familiären "Entlastung" etc. waren in den vergangenen Jahren weitere Themen.

Seit der Gründung des Vereins wird der Kontakt unter den Mitgliedern - und vor allem zwischen dem Vorstand und den Mitgliedern - auch mittels des vierteljährlich erscheinenden Mitteilungsblatts aufrechterhalten. Das persönliche Gespräch kann es allerdings nicht ersetzen.

Die Pflege der Beziehungen zu den Institutionen (d.h. Sonderschulen, Werkstätten und Wohnheimen) ist ein wichtiges Anliegen. Durch Vertretungen in Stiftungsräten und dem Kontakt zu Leitung und Führung dieser Institutionen sollen die Anliegen der Angehörigen selbstbewusst vorgebracht werden können.

Bei politischen und verwaltungstechnischen Entscheiden möchten wir zur Verbesserung der konkreten Lebenssituation der geistig behinderten Menschen und deren Eltern beitragen können. Es bleibt ein Anliegen, in Fachkommissionen und Aufsichtsorganen Mitarbeit zu leisten. So kann bereits bei der Entstehung von Leitbildern, Konzepten und Gesetzen Einfluss genommen werden. Gegenüber Behörden will insieme Graubünden ein ernst zu nehmender Gesprächspartner sein.

Die Zielsetzungen der verschiedenen Behindertenorganisationen im Kanton Graubünden unterscheiden sich in ihrer behindertenspezifischen Ausrichtung. Eine Zusammenarbeit unter ihnen ist dringend geboten. Die 1990 gegründete Behindertenkonferenz erfüllt die Funktion der gegenseitigen Information und der Konzentration der Kräfte. insieme Graubünden ist von Anfang an ein aktiver Partner der anderen Behindertenorganisationen. Wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit insieme Schweiz. Die Erfahrungen von Eltern mit geistig oder körperlich behinderten Kindern sind sehr wichtig für die Integration der behinderten Menschen allgemein.

Durch den Einbezug von Fachleuten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Institutionen und weiteren Interessierten in den Kreis der Vereinsmitglieder, vermag insieme Graubünden eine Plattform zum Austausch von Wissen und Erfahrung zu bilden. Der Kontakt zwischen den Eltern und aussenstehenden Personen soll helfen, Vorurteile, Hemmungen und Missverständnisse abzubauen.

Geistig behinderte Erwachsene wollen oftmals alleine oder in Wohngemeinschaften leben können und nicht ihr ganzes Leben bei den Eltern bleiben. Auch für die Eltern würde die Belastung gewaltig abnehmen. Die Qualität solcher Wohnplätze muss auf die Betroffenen ausgerichtet werden.

Geistig Behinderte wollen sich aus- und weiterbilden. Die Angebote der Erwachsenenbildung müssen erweitert werden. Der Bildungsclub der Pro Infirmis hat allerdings unterdessen ein breites Angebot auf die Beine gestellt.

Auch geistig behinderte Menschen werden älter. Eine Infrastruktur für alle Menschen mit geistiger Behinderung gibt es bis heute kaum. Sie muss unbedingt geschaffen werden

 insieme Graubünden